By Gerhart Hauptmann

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Ein Mann kommt in Eile die Strecke herauf. « ... Der Bote schrickt zurück, denn des Wärters Augen spielen seltsam. Die Mütze sitzt schief, die roten Haare scheinen sich aufzubäumen. « Ein Röcheln ist die einzige Antwort. « Thiel reißt sich auf mit gewaltiger Anstrengung. Seine schlaffen Muskeln spannen sich; er richtet sich hoch auf, sein Gesicht ist blöd und tot. Er rennt mit dem Boten, er sieht nicht die tod­ bleichen, erschreckten Gesichter der Reisenden in den Zugfenstern. Eine junge Frau schaut he­ raus, ein Handlungsreisender im Fez, ein junges Paar, anscheinend auf der Hochzeitsreise.

Thiel ging mit Tobias die Strecke entlang. Der Kleine war nicht wenig erregt; alles war ihm neu, fremd. Er be­ griff nicht, was die schmalen, schwarzen, vom Sonnenlicht erwärmten Schienen zu bedeuten hatten. Unaufhörlich tat er allerhand sonderbare Fragen. Vor allem verwunderlich war ihm das Klingen der Telegraphenstangen. Thiel kannte den Ton jeder einzelnen seines Reviers, sodass er mit geschlossenen Augen stets gewusst haben würde, in welchem Teil der Strecke er sich gera­ de befand. Oft blieb er, Tobiaschen an der Hand, stehen, um den wunderbaren Lauten zu lauschen, die aus dem Holze wie sonore Choräle aus dem Innern einer Kirche hervorströmten.

Die Arbeiter sahen, wie er ihm feierlich die Hand schüttelte, worauf Thiel mit langsamem, fast mi­ litärisch steifem Schritt auf den letzten Wagen zuschritt. Keiner der Arbeiter wagte ihn anzureden, obg­ leich sie ihn alle kannten. Aus dem letzten Wagen hob man soeben das kleine Tobiaschen. Es war tot. 60 Lene folgte ihm; ihr Gesicht war bläulichweiß, braune Kreise lagen um ihre Augen. Thiel würdigte sie keines Blickes; sie aber er­ schrak beim Anblick ihres Mannes. Seine Wan­ gen waren hohl, Wimpern und Barthaare ver­ klebt, der Scheitel, so schien es ihr, ergrauter als bisher.

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